Unsere Grenzlage ist eine Chance
Ich werde ich mich um eine stärkere Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn aus den Niederlanden bemühen. Selbst habe ich ein paar Jahre in Groningen gelebt und dadurch gute Kontakte und Freundschaften aufgebaut.
Die Niederlande liegen für viele Menschen im Landkreis Leer nur wenige Kilometer entfernt. Gerade im Rheiderland gehört das Leben über die Grenze längst zum Alltag. Trotzdem werden die Möglichkeiten dieser besonderen Lage aus meiner Sicht noch nicht konsequent genug genutzt.
Während meiner Studienzeit habe ich selbst einige Jahre in Groningen gelebt und viele persönliche Kontakte und Freundschaften in den Niederlanden aufgebaut. Dabei habe ich erlebt, wie selbstverständlich grenzüberschreitende Zusammenarbeit sein kann.
Mein Ziel ist deshalb, die Zusammenarbeit mit unseren niederländischen Nachbarn weiter auszubauen – dort, wo sie für die Menschen, Vereine und Unternehmen unserer Region einen konkreten Mehrwert schafft.
Gemeinsam einen starken Wirtschaftsraum entwickeln
Wirtschaft endet nicht an der Landesgrenze. Unternehmen im Landkreis Leer und in den benachbarten niederländischen Regionen stehen häufig vor ähnlichen Herausforderungen und können voneinander profitieren.
Der Landkreis sollte deshalb bestehende Netzwerke stärker nutzen und den Austausch zwischen Wirtschaftsförderung, Unternehmen und Kommunen auf beiden Seiten der Grenze intensivieren.
Dabei geht es nicht darum, zusätzliche Gesprächsrunden zu schaffen. Entscheidend sind konkrete Projekte und messbare Ergebnisse: neue Kooperationen, gemeinsame Fachkräfteinitiativen oder bessere Unterstützung für Unternehmen, die grenzüberschreitend tätig werden möchten.
Fördermöglichkeiten stärker in die Region holen
Mit der Ems Dollart Region haben wir direkt vor unserer Haustür eine Institution, die deutsch-niederländische Projekte unterstützt und bei der Beantragung europäischer Fördermittel begleitet.
Diese Möglichkeiten sollten wir viel offensiver nutzen.
Vereine, Schulen, Kommunen und andere Initiativen können beispielsweise Fördermittel für gemeinsame Projekte mit niederländischen Partnern erhalten. Der Landkreis sollte dabei stärker als Unterstützer und Vermittler auftreten und Akteure aktiv auf geeignete Förderprogramme aufmerksam machen.
So können aus guten Ideen konkrete Projekte werden, ohne dass deren Finanzierung ausschließlich vor Ort getragen werden muss.

Mobilität über die Grenze weiter verbessern
Eine funktionierende Grenzregion braucht gute Verkehrsverbindungen. Die Wunderline zwischen Groningen und Bremen ist deshalb für den Landkreis Leer ein wichtiges Zukunftsprojekt.
Gerade für Leer, Weener, Bunde und das gesamte Rheiderland entstehen dadurch neue Möglichkeiten – für Pendler und Studierende genauso wie für Unternehmen und den Tourismus.
Entscheidend ist für mich, dass wir die Bahnverbindung nicht isoliert betrachten. Bahnhöfe müssen sinnvoll mit Busverkehr und Radwegen verbunden werden. Nur dann entsteht eine echte Alternative zum Auto und ein attraktiver grenzüberschreitender Nahverkehr.
Tourismus gemeinsam denken
Zwischen Ostfriesland und der Provinz Groningen gibt es ein enormes touristisches Potenzial. Viele Angebote liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt, werden bislang aber noch zu selten gemeinsam vermarktet.
Radwege, Wassersport, Kulturangebote und Ausflugsziele könnten stärker miteinander verbunden werden. Davon profitieren sowohl unsere Gäste als auch Gastronomie, Einzelhandel und touristische Betriebe auf beiden Seiten der Grenze.
Statt ausschließlich innerhalb kommunaler Grenzen zu denken, sollten wir unsere Region gemeinsam präsentieren.
Sprache verbindet
Wer die Sprache seines Nachbarn versteht, baut Barrieren ab. Deshalb halte ich die Förderung der niederländischen Sprache insbesondere an Schulen und Bildungseinrichtungen unserer Grenzregion für sinnvoll.
Dabei können bestehende deutsch-niederländische Projekte genutzt und weiterentwickelt werden. Sprachkenntnisse erleichtern nicht nur den persönlichen Austausch. Sie verbessern auch die Chancen junger Menschen auf einem zunehmend grenzüberschreitenden Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.
Aus einer Grenze einen Standortvorteil machen
Unsere Nähe zu den Niederlanden sollte nicht einfach eine geografische Besonderheit sein. Sie kann ein echter Standortvorteil für den Landkreis Leer werden.
Dafür braucht es keine neuen Strukturen um ihrer selbst willen. Wir sollten die vorhandenen Netzwerke konsequenter nutzen, konkrete gemeinsame Projekte entwickeln und anschließend überprüfen, welchen Nutzen sie tatsächlich für unsere Region bringen.
Mein Ziel ist ein Landkreis Leer, der die Grenze nicht als Ende seines Wirkungsbereichs versteht, sondern als Verbindung zu einer gemeinsamen deutsch-niederländischen Region.
